Thema des Symposiums 2019 – 17 : 100 — Das Schmucksymposium zum Bauhausjubliäum

Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, in Folge des Arts and Crafts Movement und anderen Reformbewegungen, Werkstätten, die künstlerischen Entwurf und handwerkliche Ausführung vereinten. Der „Deutsche Werkbund“ trug wesentlich dazu bei, dass in Weimar 1907 Henry van de Velde die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule Weimar gründete, die 1919 durch Vereinigung mit der Hochschule für Bildende Kunst in das Bauhaus überging.

Der Architekt Walter Gropius realisierte sein Konzept einer ganzheitlichen Ausbildung zum handwerklich geschulten Künstler in Weimar, dem Ort, an dem die verfassungsgebende deutsche Nationalversammlung den Weg aus dem deutschen Kaiserreich in die Republik bahnte. Die Geburtsstadt der Klassik wurde einmal mehr zum wichtigen Impulsgeber einer ganzen Epoche, die wir gerne mit dem Begriff „Moderne“ bezeichnen.

1925 gelang in Erfurt die Umstrukturierung der Kunstgewerbeschule nach dem Vorbild der Grundlehre des Bauhauses mit dem Ziel, die Arbeit am reinen Entwurf wieder mit Handwerk und Material zu verbinden – mit Erfolg. Die Schule bestand nach dem Krieg bis 1954 und hat eine Generation von Gestaltern, unter anderem mit Siegfried Kraft oder Joachim Kaiser, geprägt.

In diesen Schulen, von denen das Bauhaus die prominenteste ist und die natürlich nicht nur in Deutschland entstanden, hatte die Schmuck- und Metallgestaltung ihren festen Platz, hier wurde die Grundlage unserer Auffassung von zeitgenössischer Schmuckkunst gelegt. Die „Idee Bauhaus“ lebt bis heute weiter. Sie hat eine Faszination entfaltet, die das Bauhaus zu Mythos und sein Wirken zum Vorbild werden ließ – und das weit über die Grenzen Europas hinaus.

2019 findet das ERFURTER SCHMUCKSYMPOSIUM zum siebzehnten Mal statt und gibt im Zusammenhang mit dem Bauhausjubiläum Anlass zu reflektieren und die Ursprünge des Symposiums zu betrachten. Das ERFURTER SCHMUCKSYMPOSIUM ist seit 1984 stetig mit den Herausforderungen gewachsen, indem es sich thematisch immer mit aktuellen Themen auseinandersetzt und einen direkten, interdisziplinären Austausch zwischen den besten Künstler*innen ihrer Disziplin ermöglicht. Gemeinsames, intensives Kunstschaffen in einem entschleunigten Raum fördert Synergien. Neben kreativem Austausch und künstlerischem Experiment bietet es eine Plattform, die Werte und Herausforderungen unserer Zeit zu reflektieren – seit 34 Jahren immer mit erstaunlich hochqualitativen Ergebnissen und Aussagen.

Das 100-jährige Bauhausjubiläum bietet die Gelegenheit, sich mit der großen Vision abzugleichen. Sie hatte einen starken Einfluss auf den künstlerischen Stil ihrer Zeit. Das ERFURTER SCHMUCKSYMPOSIUM hinterfragt 2019 diesen Wendepunkt in der Entwicklung der Gestaltung und seine gesellschaftliche Funktion und will ihn mit dem Mittel der Schmuckgestaltung neu in der Gegenwart verorten. Gestaltung ist weit mehr als nur Entwurf: sie ist eine bestimmte Art zu denken, zentrale Probleme zunächst zu erkennen und sie dann durch Kreativität zu lösen.

Besitzt das „Konzept einer ganzheitlichen Ausbildung zum handwerklich geschulten Künstler“ noch Aktualität, Relevanz und Validität im Jetzt oder ist es an der Zeit, sich neu zu erfinden? Wo steht die Schmuckkunst zwischen Handwerk, Kunst und Design?

Wie stark sind die Fundamente des Bauhauses in der gegenwärtigen Gestaltung und sind sie den Herausforderungen immer schnelleren technologischen Wandels und neuen gesellschaftlichen Anforderungen an Gestaltung gewachsen?

Wie definiert sich der Schmuckbegriff in der digitalen Postmoderne? Gibt es virtuellen Schmuck?

Kann Schmuckkunst im Speziellen helfen, handwerkliche Fertigkeiten und haptische Vielfalt zu bewahren oder kann durch Bewahrung handwerklicher Fertigkeiten die Zukunft mitgestaltet werden?

Wie langsam darf Schmuck sein? Wie schnell muss Schmuck sein?

Diesen und anderen Fragen haben sich die Künstler des 17. ERFURTER SCHMUCKSYMPOSIUMs zu stellen und wir erwarten spannende und relevante Beiträge.

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