Das 15. ERFURTER SCHMUCKSYMPOSIUM war erfolgreich!
The 15th Erfurt Jewellery Symposium was successful!

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SYMPOSIUM
12.07. - 26.07.2014
Künstlerwerkstätten Erfurt

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AUSSTELLUNGEN / EXHIBITIONS

26.07. – 31.08.2014
Galerie Waidspeicher, Kulturhof zum Güldenen Krönbacken Erfurt

EG: aktuelle Arbeitsergebnisse
OG: 50 Positionen aus 30 Jahren Schmucksymposium * Jubiläumsausstellung

29.01. - 29.04.2015
Deutsches Goldschmiedehaus Hanau
aktuelle Arbeitsergebnisse und 50 Positionen aus 30 Jahren Schmucksymposium

PROGRAMM DES 15. SYMPOSIUMS (2014)

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15. ERFURTER SCHMUCKSYMPOSIUM – Eindrücke einer Teilnehmerin

(von Heike Gruber)

„Wie viele Worte braucht der Mensch?“ lautete das kulturelle Jahresthema der Stadt Erfurt für das Jahr 2014. Kann eine solche, auf den ersten Blick wohl vor allem für Meister des Wortes gedachte Frage, auch interessant sein für Künstler im Bereich Schmuck? Spätestens der neuerliche Blick in das Statut des seit 1984 stattfindenden Erfurter Schmucksymposiums gibt ein klares JA als Antwort. Heißt es doch darin, dass die Treffen internationaler Schmuckkünstler die Gestaltung und Anwendung von Schmuck ausloten mögen, und somit geeignet sind, das allgemeine Verständnis von Schmuck zu erweitern. Ausloten räumt ein: Neben fertigen Arbeiten gelten auch Arbeitsproben, Skizzen, Dokumentationen von Prozessen, technische Innovationen und interdisziplinäre Erweiterungen als gleichwertige Ergebnisse. Neun Schmuckkünstlerinnen und -künstler und ein Lyriker stellten sich während des 15. Erfurter Schmucksymposiums in den Künstlerwerkstätten der Stadt Erfurt dieser echten Herausforderung.

Was dabei ins Werk gesetzt wurde, wurde traditionell in der Galerie Waidspeicher im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken ausgestellt. Wer durch die Ausstellung ging, den überraschte schon die Präsentation der Arbeiten auf weißen, an aufgeschlagene Bücher erinnernden, Plattformen. Rasch war das vom Statut empfohlene, weit offene Konzept der Symposiumsarbeit erkennbar. Die Werke reichten vom tatsächlich tragbaren Schmuck aus Edelmetall bis zur visuellen Bildprojektion an die Wand der Galerie. Deutlich wurde, wie jeder Teilnehmer – der Wortprofi wie eben auch die ohne Worte auskommenden Schmuckkünstler – einen individuellen Ansatz zum Umgang mit dem Thema suchte und fand. Dass der Besuch im Goethe-Nationalmuseum Weimar Spuren hinterlassen hatte, war ebenso ersichtlich, wie die gezielte Vorbereitung von manchen Künstlern, die für ihre Arbeiten bereits mit Texten, speziellen Materialien und Werkzeugen angereist waren. Im Folgenden einige detaillierte, durchaus persönliche Eindrücke zu den Künstlerinnen und Künstlern und ihren Arbeiten.

v.l.n.r.:
Nanna Melland, Felieke van der Leest, Karola Torkos, Mandy Rasch, Adam Grinovich, Tore Svensson, Heike Gruber, Kristýna Spanihelova, Nora Rochel, Christian Rosenau

Kristýna Španihelová

interessiert sich für den Symbolgehalt organischer Materialien. Worte und Text sind nicht ihre Welt, sie will über Schmuck und das verwendete Material Geschichten erzählen. Inspiration fand sie in dem Gedichtband „Les Fleurs du Mal“ von Charles Baudelaire. In ihrer stark physisch präsenten Art bearbeitete sie verschiedene Materialien. Sie formte rechteckige Platten aus Mehl, Salz und Tierblut und stempelte die „sieben Todsünden“ hinein. Sie schnitt Blütenformen aus dickem Pergament, stempelte das Gedicht Baudelairs hinein und tauchte die Blätter in Tierblut. Sie beschrieb Pergament, nähte zusammen, knüpfte aneinander. Es entstanden Halsschmuck und Broschen, die in der Ausstellung eine höchst ambivalente Ausstrahlung erzeugten.

Karola Torkos

hatte sich Material mitgebracht, das aus einem vergangenen Projekt stammte: In längliche Messingplatten gesägte „Goldwörter“. Sie testete, ob durch Überarbeiten und Herauslösen aus dem ursprünglichen Kontext etwas Neues entstehen konnte. Die ehemals mühsam gesägten Platten wurden bis zur Überstrapazierung durch die elektrische Walze gedreht und gedehnt. „Es gibt der goldenen Worte viele.“ Die nun dünnen, teilweise gerissenen Streifen, fügte sie zu zwei opulenten Colliers zusammen, die grob und doch fein sind. Die besondere Überraschung dabei: Beim Berühren des frei hängenden Colliers wird ein feiner Klang hörbar.

Mandy Rasch

beschäftigte „Die Last der Worte“, sie drückte über das Material ihre Empfindungen dazu aus. Blei und Eisen bearbeitete sie mit Hammer und Flamme und montierte aus schweren Ankerketten und den entstandenen amorphen Bleiformen ein gewichtiges Collier. Eine gefundene Blütenreihe aus Eisen mit zusammengeknautschtem Blei kombiniert, ergab ein weiteres Schmuckstück. Trotz der Schwere und scheinbaren Grobheit sind die Stücke fein komponiert und in Szene gesetzt. Auf dem Hof der Künstlerwerkstätten entstand gleichzeitig eine heitere Skulptur zum Goethezitat: "Jeden Pfad will ich betreten. Von den Wüsten zu den Städten." Die Assemblage stand dann vergnügt schwingend vor der Galerie Waidspeicher.

Tore Svensson

vermeidet in seiner Arbeit bewusst alles Erzählerische und bedient sich einer minimalistischen Formensprache. Schon vor dem Symposium begann er mit seinem Schmuckprojekt "Lakes". Auf der Suche nach einem See in Stadtnähe Erfurts fand er den Nordstrand, einen Baggersee. Der Grundriss des Nordstrandes – er findet, dass auch Landkarten etwas aussagen – war die Vorlage für seine aus Holz gesägten, colorierten Anhänger für Halsketten. In Reihe an farbiger Textilschnur aufgehängt ergaben die Halsketten zusammen eine eigene Landschaft. Schmückt ein einzelnes Stück "Nordstrand" eine Person, findet ein starkes Zusammenspiel mit der getragenen Kleidung statt.

Felieke van der Leest

ging für ihre Arbeit während des Symposiums von dem Fakt aus, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere eine Sprache haben. Die Kommunikation unter Tieren funktioniert oft über auffallende Farben und Formen und so ließ sie sich diesmal von einem Pavian faszinieren. Auf textiler Grundlage bestickte sie mit farbigen Glasperlen einen Brustschmuck, der abstrahiert die Schnauze des Affen darstellt. „Let’s talk about me, baby“ heißt es dazu passend. Es bleibt abzuwarten, wie die Lösung für das Hinterteil den noch nicht fertigen Schmuck ergänzen wird. Den Rücken eines Spielzeugdinosauriers bestückte sie mit dem aus Elfenbeinersatz gesägten Schriftzug „THINK SUSTAINABLE“ (denk’ nachhaltig). Inszeniert wurde er so, dass der Titel „Hollywood Hills“ eine ganze Assoziationskette in Gang setzt.

Adam Grinovichs

Ansatz war die einfache expressive Linie von Handschriften und Skizzen. Er untersuchte die Eigenart von Notizen und Unterschriften und suchte nach einer Lösung, diese intuitiven, unverfälschten Formen in dreidimensionale Objekte und Schmuck zu übersetzen. Als geeignetes Material erwies sich einfacher Eisendraht. Er benutze Draht und Zange wie einen Bleistift und skizzierte zahlreiche Ideen in räumlicher Form, tragbar als Ring. In der Ausstellung präsentierte er 140 „Ring-Zeichnungen“ wie schnell geschriebene Wörter in einem riesigen aufgeschlagenen Buch.

Heike Gruber

schrieb aus Büchern Sätze heraus auf ein Blatt mit weiteren Zitaten und Schlagwörtern – eine Sammlung von Lieblings- und Hasswörtern. Sie kombinierte diese mit vorher gefertigtem, großformatigem Halsschmuck aus Filz. Sie sprayte Acrylfarben über die Schmuckstücke auf eine große Plane und schuf so eine „große Skizze“. Es war ein Experiment ganz im Sinne des Statutes. Sie wollte ausprobieren was passiert, wenn sie die körpernahe Dimension von Schmuck verlässt. In der Ausstellung wirkte die Wandinstallation von Plane mit davor hängenden Schmuckstücken sehr punkig. Aus der Nähe betrachtet konnte man im Formen- und Farbspiel Details entdecken, die ganz andere Töne anschlugen.

Nanna Melland

interessierte bei dem Erfurter Thema zu Beginn das menschliche Gehirn als Zentrale für logische Kommunikation und Sprache. Symmetrisch und zugleich amorph, für sie ein nicht logisches visuelles Bild einer abstrakten Formation. Ein Versuch dazu waren ihre Tintenklecksbilder aus blauer Tinte, wobei Blau für geistige Erkenntnis und der Farbe zum Schreiben steht. Zudem arbeitete sie an verschiedenen Fotoexperimenten. Im Weimarer Goethe-Nationalmuseum beeindruckte sie das Zitat von Goethe: „Ich kehre in mich selbst zurück und finde eine Welt.“ Sie fertigte daraufhin Porträtfotos aller Kolleginnen und Kollegen nach dem gleichen Schema an: Augen zu – Augen auf – und war verblüfft über den plötzlichen Wechsel vom Introvertierten zum Extrovertierten Menschen. Sie zeigte dies in ihrer Videoinstallation in der abschließenden Präsentation. Nanna Melland verließ bei ihrer Arbeit gänzlich die Umsetzung als Schmuck und bereicherte die Ausstellung mit rein bildlichen Darstellungen.

Nora Rochel

blieb zunächst beim Schmuck und arbeitete in dem ihr sehr vertrauten Material Modellierwachs. Aus diesem fertigte sie Ringe, die anschließend in Silber gegossen wurden. Ihre Inspirationsquelle ist die Pflanzenwelt. Vielleicht angeregt von der experimentellen Atmosphäre des Symposiums, den Gesprächen und Exkursionen, verließ sie aber dieses Terrain und begann neue Motive zu modellieren: kleine menschliche Figuren, die aus einer Zwischenwelt zu kommen scheinen. Die Arbeit „A Story untold“ schaut sich wie der Anfang einer neuen Geschichte an.

Christian Rosenau

ist Lyriker und Musiker. Er wurde eingeladen, um die Schmuckkünstler und ihre Arbeiten zum Thema "Wie viele Worte braucht der Mensch" interdisziplinär zu erweitern. Ihn regte die emsige Geschäftigkeit in den Werkstatträumen zu einer Klanginstallation und einem Hörstück an. Dazu hielt er Geräusche in und um die Werkstatt fest. Besonders für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer war die Aufnahme von gesprochenen Wörtern in ihrer jeweiligen Muttersprache. Rosenau hatte ursprüngliche Wörter wie Vater, Mutter, Ich, Du und ähnliche aufgeschrieben. Diese Aufnahmen und Geräusche wurden zusammen mit persönlich gelesenen Gedichten zu dem 33-minütigen Hörstück „Heimatmen“ verarbeitet.


„Heimatmen“ (33'12")
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Anm. d. Veranstalters: Der im Vorfeld angekündigte Künstler Ulrich Reithofer konnte nur in den ersten Tagen, und nicht komplett, am Symposium teilnehmen. Daher liegt von ihm keine aktuelle Arbeit vor.

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